Stuttgart.
Am Samstag, den 15.11.2003 fand im Freien
Musikzentrum Stuttgart unter der Leitung von Andreas G.
Winter eine exklusive Diwali-Feier statt. Künstler des
Abends waren u.a. Alok Lahiri (Sarod, Mitte) mit seinem Sohn
Abhisek Lahiri (Sarod, rechts) und dem Tabla-Spieler Swapan
Prasad Chowdhury (links) aus Kolkata/Indien. Als speziellen
Gast-Spieler präsentierte Alok Lahiri seinen Schüler Marc
Linnhoff aus Frankreich, der erst seit 10 Monaten Sarod bei
Alok Lahiri das Sarod-Spielen lernt und schon eine sehr
beachtliche Leistung gezeigt hat. Neben der musikalischen
Unterhaltung sorgte ein indisches Gala-Dinner für das
leibliche Wohl der Zuhörer.
Das Freie Musikzentrum
Stuttgart wurde 1989 vom Veranstalter des Abends Andreas G.
Winter gegründet. Das interkulturelle Zusammenwirken
verschiedener Kulturen steht besonders im Vordergrund und
deswegen gastiert Alok Lahiri mit seinem Sohn und Freunden
jedes Jahr im FMZ. Lahiri gehört zu den bedeutendsten
indischen Musikern unserer Zeit. Zahlreiche Konzerte mit den
bedeutendsten indischen Musiklegenden prägen seine
Laufbahn. Diverse Funk und Fernsehaufnahmen stehen auf der
Tagesordnung. Er und seine Freunde unterrichten jedes Jahr
während ihres Stuttgart-Aufenthaltes Schüler und bieten
Workshops, Gruppen- und Einzelunterricht in Tabla und Sarod
an.
Abhisek Lahiri wurde
am 24.9.1983 in Kolkata/Indien geboren. Sein frühes
Interesse an der Musik erlangte er durch seinen Vater und
erlernte schon vor seinem 5. Lebensjahr das Tabla-Spielen.
Durch die Inspiration von seinem Vater, Alok Lahiri,
erlernte Abhisek ab seinem 5. Lebensjahr das Sarod-Spielen
und setzte es letztendlich mit grossem Erfolg um und gehört
heute zu den besten jungen Musikern Indiens. Zahlreiche
Auszeichnungen prägen seine Laufbahn, u.a. die “Annund
Lund Rej Memorial”-Auszeichnung 1998 in Norwegen, die von
der norwegischen Regierung mit umgerechnet 50.000 Rupien dotiert war,
den “President Award” von All India Radio Music
Competition, die Auszeichnung vom Rotary International Club
und die Goldmedaille von “The Telegraph School Award”.
Weitere herausragende Ereignisse waren die erfolgreichen
Teilnahmen am “World Children Festival” in Holland, das
“Saath-Saath Festival” in Mumbai wo er von Hari Prasad
Chaurasia persönlich eingeladen wurde, das “Biswa Banga
Sammelan” in Kolkata und ein Auftritt im Europäischen
Parlament in Strassbourg (Frankreich). Daneben hat Abhisek
einige CD-Aufnahmen und ist regelmässig in indischen
Radiosendungen und Fernsehausstrahlungen zu hören und zu
sehen.
Seit 1997 bereist
Abhisek Lahiri die Welt und wichtige Stationen wie
Deutschland, die Schweiz, England und Frankreich gehören
mittlerweile zu seinen festen Konzertstätten. Dieses Jahr
gastierte Abhisek von Anfang Oktober bis Ende November in
Stuttgart und bereiste von dort aus ganz Frankreich und
spielte Dutzende von Konzerten. In Colmar (Frankreich)
entstand dabei eine Live-Aufnahme, die demnächst in den
CD-Läden zu finden sein wird. Mit seinem unwahrscheinlich
künstlerischem Talent und seiner freundlichen Art gehört
Abhisek mittlerweile zu einem der gefragtesten Musikern Indiens und etabliert sich mehr und mehr im Ausland. Im
nächsten Jahr steht eines seiner grössten Tourneen auf dem
Plan, u.a. bereist er mit seinem Vater die Vereinigten
Staaten von Amerika.
Redakteur Tomal Kanti
Ganguly hatte für theinder.net die Möglichkeit mit Alok
und Abhisek Lahiri ein persönliches Interview im Rahmen
einer besagter Diwali-Feier in Stuttgart zu führen:
Wie wichtig ist der
Standort Deutschland für Sie?
Alok Lahiri:
Deutschland ist ein sehr wichtiger Standort für mich und
meinen Sohn. Ich besuche seit 1978 das Land und kenne die
Mentalität dieses Landes und kann mich dementsprechend
anpassen. Seit 1997 begleitet mich Abhisek und ich
versuche die indische Kultur zwischen den Deutschen und
Europäern in Sachen Tanz, Gesang und das Wichtigste, der
Instrumentalbildung weiterzugeben. Ich habe viele deutsche
Studenten, die bei mir das Sarod-Spielen erlernen möchten.
Das Interesse ist enorm und ich versuche meine Lehre
bestmöglichst weiterzugeben. Seit letztem Jahr habe ich den
Posten des Direktors der klassischen indischen Musik des FMZ
Stuttgarts erhalten und fühle mich sehr geehrt. Dies hat
mir der Direktor des FMZ Andreas G. Winter ermöglicht. Er
selbst lernt bei mir das Sarod-Spielen. Besonders ehrt mich,
dass wir im Rahmen dieser speziell für uns organisierten
Diwali-Feier konzertieren dürfen. Deutschland zählt in
meiner Laufbahn zu einem meiner bereits zahlreichen
besuchten Länder. Sonst habe ich in fast allen Ländern des
nordamerikanischen und europäischen Kontinents konzertiert.
Jedoch ist es für mich jedes Mal eine Freude nach
Deutschland zurückkehren zu können.
Welche Meilensteine
waren für Sie massgebend für solch einen Erfolg?
Alok Lahiri: Es gibt
zu viele Ereignisse oder Meilensteine. Es würde zu lange dauern all diese aufzuzählen. Deswegen möchte ich einiges
zusammenfassen. Konzertiert habe ich bereits mit allen
grossen indischen Musiklegenden, u.a. mit Ravi Shankar oder
Hari Prasad Chaurasia. Hinzu kommen unzählige Aufnahmen,
sei es als Solo- oder Begleitinstrument. Ich war schon in
zahlreichen Fernsehauftritten zu sehen und habe in fast
allen namhaften bengalischen Filmen die Hintergrundmusik
gespielt. Momentan ist es wichtig für mich meinen Sohn
Abhisek zu fördern und ihm eine Zukunft zu bieten. Er hat
ein sehr grosses Talent und ich bin als sein Vater und
Lehrer sehr stolz auf ihn. Er hat schon vor seinem 5.
Lebensjahr das Tabla-Spielen erlernt und seit seinem 5.
Lebensjahr lehre ich ihn das Sarod-Spielen. Seit 2000 lernt
Abhisek zudem noch Klavier beim Direktor des FMZ Stuttgart
und hat bis jetzt grosse Fortschritte gemacht. Ich selbst
habe alles in meinem Leben erreicht und mein Ziel ist es
jetzt meine Gabe weiterzugeben; in erster Linie an meinem
Sohn, dann an alle interessierten Schüler und
Schülerinnen. Heute Abend wird ein Schüler von mir, Marc
Linnhoff aus dem Elsass, die Eröffnung spielen.
Jetzt mal zu dir,
Abhisek. Wie gefällt dir Deutschland insgesamt und erzähl
uns etwas über die jetzige Tournee.
Abhisek Lahiri:
Deutschland gefällt mir sehr gut. Besonders bin ich von dem
grossen Interesse der Menschen hier begeistert. Ich besuche
das Land seit 1997 und habe mich immer mehr mit dieser
Kultur hier angefreundet, zu sehen wie bereitwillig die
Menschen versuchen die indische Kultur anzunehmen. Die
diesjährige Tournee war nicht nur auf Deutschland fixiert.
Dieses Jahr sind wir viel in Frankreich herumgekommen und
haben viele Konzerte gegeben. Hinzu kommen noch zwei
Konzerte; eins in Zürich und eins in Baden, beides in der
Schweiz. In Deutschland haben wir in Hamburg, Bonn, Münster
und im süddeutschem Raum konzertiert.
Was war dein
herausragendstes Konzert bis jetzt?
Abhisek Lahiri: Dieses
Jahr fand ich das Konzert in Colmar und hier in Stuttgart am
besten. Wenn wir in meine bisherige Laufbahn schauen waren
meine grössten Meilensteine das Konzert in Norwegen, in
Strassbourg im Europäischen Parlament und das „Saath-Saath
Festival“ in Mumbai.
Welche Musik spielst
du hauptsächlich in deinen Konzerten? Hauptsächlich
klassische indische Musik oder auch Folklore?
Abhisek Lahiri: Ich
spiele gemischt. Die klassische indische Musik ist
natürlich die Basis der indischen Musik. Jedoch spiele ich
auch Folklore-Sachen. Ich versuche aber die klassische Musik
mit der Folklore zu verbinden und diese dann auf eine
spezielle Weise wiederzugeben.
Wie sehen deine
Zukunftspläne aus?
Abhisek Lahiri: Ich
habe letztes Jahr das College mit Erfolg abgeschlossen. Ich
möchte im Musikbusiness bleiben und die Musik endgültig zu
meinem Beruf machen.
Mittlerweile
etablierst du dich auch international. Wie fühlst du dich
deinen Namen in einer ausländischen Zeitung zu sehen?
Abhisek Lahiri: Ich
fühle mich grossartig. Es macht mich sehr stolz meinen Namen
bzw. mein Bild auch mal in einer ausländischen Zeitung oder
mich sogar im Fernsehen zu sehen. Ich bin ja im Rahmen des
„World Children Festival“ in Holland aufgetreten und
dies wurde damals in einigen Ländern live übertragen.
Nun zur
abschliessenden Frage. Was sagst du zu theinder.net?
Abhisek Lahiri: Ich
finde, dass theinder.net eine fantastische Möglichkeit für
die junge indische Generation in Deutschland sowie in Europa
bietet. Ich selbst habe von theinder.net vor ca. 2 Jahren
erfahren und surfe seither regelmässig vorbei und bin
einfach begeistert, dass es solche eine Community überhaupt
gibt.