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Unter
die Lupe genommen
Kabhi Alvida Naa Kehna
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| Warum
KANK das Prädikat "gut", jedoch nicht
"sehr gut" erhält, verrät uns Angar
Verma, der den Film für uns kritisch begutachtet
hat. |
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Kurzinhalt
In New York findet eine Hochzeit statt. Die schöne Braut Maya (Rani Mukherjee) sitzt draußen auf einer Bank. Sie soll Rishi (Abhishek Bachchan), den Sohn des alternden Partyhengstes "Sam" bzw. Samarjit Singh Talwar (Amitabh Bachchan) heiraten, hat aber Zweifel. Diese redet ihr der Fußballer Dev Saran (Shah Rukh Khan) aus. Die Hochzeit findet also statt, doch später erweisen sich ihre Zweifel als begründet, denn ihre Ehe mit Rishi kriselt. Auch Devs Ehe mit Rhea (Preity Zinta), die Chefredakteurin eines Modemagazins ist, bröckelt. Parallel dazu treffen sich Dev und Maya durch einen Zufall wieder. Aber nicht zum letzten Mal...
Kritik
Amitabh Bachchan, die große unangefochtene Bollywood Legende, Shah Rukh Khan, Indiens wohl (zumindest noch) größter Bollywoodstar, Rani Mukherjee, für viele die Bollywood Queen, Abhishek Bachchan, der auf der Karriereleiter steigt und steigt, sowie Preity Zinta, ebenfalls ein indisches Top Starlet. Ganz zu schweigen von kleinen Geschmacksverstärkern wie Arjun Rampal, John Abraham und der wunderbaren Kajol. Allein diese Liste würde locker ausreichen, um Erwartungen und Hoffnungen in die Höhe zu schießen.
Als wäre das nicht genug, muss der Film auch noch von Starregisseur Karan Johar stammen. Der wohl medienpräsenteste Regisseur mit großer Fangemeinde genießt nicht umsonst ein hohes Ansehen. Seine ersten beiden Werke "Kuch Kuch Hota Hai" und "Kabhi Khushi Kabhie Gham" kann man getrost als moderne Klassiker des indischen Kinos bezeichnen. Fast jeder, der sich halbwegs für das indische Kino interessiert, besitzt eine besondere Neigung zu diesen Filmen. In meinem Fall ist da besonders "Kabhi Khushi Kabhie Gham" hervorzuheben, der in meinem Herzen eine Renaissance der Bollywoodliebe entfachte. Hätte ich diesen Film nicht gesehen, hätte ich "Kabhi Alvida Naa Kehna" (KANK) wohl auch nicht gesehen, was sehr schade wäre, denn der Film ist gut. Und das ist gleichzeitig sein Problem. Er ist "nur" gut. Angesichts der zum Teil schon genannten Faktoren, wie der Starbesetzung, des Regisseurs, des großen Budgets und der Musik vom Erfolgstrio Shankar-Ehsaan-Loy, nehmen die Erwartungen gigantische Ausmaße an. Zwar nicht so sehr wie Johars ersten Werke, auch nicht so sehr wie das von ihm produzierte "Kal Ho Naa Ho", aber immer noch mehr als sehenswert. Und das hat seine Gründe.
Das Signifikanteste ist die schon oft erwähnte Starbesetzung. Es macht Spaß, diesen Akteuren zuzuschauen. Shah Rukh Khan spielt unter seinen Möglichkeiten, aber es tut einfach gut ihn wiederzusehen. Es ist ein längst bekanntes Phänomen, dass er ein Schauspieler ist, der nicht allen gefällt. Die, die ihn nicht mögen, werden sich die Hände reiben, um seine Performance in diesem Film nach Strich und Faden zu zerfetzen, doch ich persönlich gehöre nicht dazu. Nicht, weil er ein großer Schauspieler ist, sondern weil er in seinem kleinen Finger mehr Charme versprüht, als viele andere Schauspieler in ihrem ganzen Leben. Seine Leistung in diesem Film ist nicht überragend, doch stets charismatisch.
Rani Mukherjee bietet schauspielerisch die stärkste und souveränste Leistung. Allein ihre erste Szene bei ihrem Blick in den Spiegel, untermalt von Joharscher Filmbegleitmusik, reicht als Beleg.
Die immer noch guten anderen Akteure wie Abhishek, Preity, Kher (Mutter von Shah Rukh Khan) gehen da fast schon unter. Nur einer mal wieder nicht: Amitabh Bachchan. Man kann über den Sinn und Nichtsinn seiner Rolle streiten, denn man könnte den kompletten Inhalt des Filmes nacherzählen, ohne Sam zu erwähnen. Sam ist also nicht wichtig. Aber Amitabh ist es. Den Charakter könnte man streichen, den Star nicht. "Big B" unterstreicht den typisch indischen Starkult erneut. Seine bloße Anwesenheit tut dem Film gut, was nicht alles ist. Denn er hat nach dem Lied "Rock’n Roll Soniye" eine ganz starke Rede. Kein Schauspieler Indiens kann ein Plenum mit seiner Stimme und seiner Art zu Reden so sehr in den Bann ziehen wie Bachchan. Diese Rede kann filmbedingt natürlich nicht so stark sein wie die Abschlussrede in Baghban, besitzt aber dennoch eine große Wirkung.
Wo wir gerade schon bei "Rock’n Roll Soniye" waren, bringt mich das zum nächsten Punkt: die Musik. Diese ist wie fast alles im Film, nicht so herausragend wie in Johars vorherigen Werken, überzeugt aber trotzdem. Unterstützt von Farah Khans Choreographie entwickeln die Songs ein sauberes, gelacktes, stets ansprechendes Flair. "Tumhi Dekho Naa" ist besonders schön.
Schön sind auch die einzelnen kleinen Szenen, in denen Karan Johars Handwerk zu begutachten ist. Selbstverständlich bleibt er unter seinen Möglichkeiten, doch wenn dieses "Karan-Johar-Feeling" auftritt, weiß man, warum man sich gerade diesen Film anschaut. Die relativ rasante, anfängliche Charaktereinführung, die leicht an "Kabhi Khushi Kabhie Gham" erinnert, ist ein passendes, oft verwendetes Beispiel hierfür. Sein Talent Spannung zu erzeugen, sieht man nicht oft, sowohl die Ampel- als auch die Dinnerszene sind jedoch äußerst gelungen. Beide gehören zu den erinnerungswürdigeren Szenen des Filmes.
Beim Übergang zu den negativen Aspekten muss man sagen, dass Johars im Normalfall größte Stärke, in diesem Film seine große Schwäche ist. Ein emotionales Finale bleibt dem Zuschauer verwehrt. Es lässt ihn nahezu kalt. Abgesehen davon hat man ohnehin das Gefühl, dass das Ende sich zu sehr in die Länge zieht, was natürlich auch am Drehbuch, eine Co-Produktion von Shibani Bathija und Karan Johar, liegt. Dieses ist schwach. Es bietet kaum Überraschungsmomente und auch keinen Stoff, der eine besondere Tiefe besitzt.
Und revolutionär ist er schon gar nicht. Das ist etwas, was uns die Stars und Macher vor der Veröffentlichung eintrichtern wollten. Es wurde von Gesellschaftskritik, Diskussionsstoff, ja nahezu mit Schaum vorm Mund gesprochen. Wenn dieser Stoff revolutionär sein soll, dann ist "Murder" die Mutter, nein sogar die Großmutter, aller Revolutionen.
Diese Schwachpunkte wiegen jedoch nicht schwer. Der Film wird gerettet durch die tollen Bilder, die überzeugenden Songs, oder auch einzelne starke Szenen. Hinzu kommen kleinere feine Zuckerwürfel, wie das Cameo von Kajol, die für einige Sekunden den Bildschirm erstrahlen lässt. Aber allen voran sind es die Stars, die den Film retten. Ich will nicht klingen wie ein Groupie, aber man sieht sie alle nicht oft in einem Film. Selbst wenn sie nur sitzen und Erbsen zählen würden, wäre das interessanter als so manch anderes, was aus Indien kommt. Daher bleibt KANK unterm Strich ein sehr guter Film, der hervorragend unterhält. Aber es bleibt auch der fade Beigeschmack, dass Karan Johar daraus mehr hätte machen können.
Vielleicht zeigt er es beim nächsten Mal wieder, und hoffentlich mal wieder in Indien.
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