|
Aamir - Bollywoods eigensinniger "Khan"
 |
| Aamir
Khan war ein gefeierter Tennisstar, ehe er den Bollywood Olymp
erklomm. |
|
Besser hätte das Jahr 2001 für Aamir Khan kaum laufen können. Der von ihm produzierte Film "Lagaan" ("Steuer"), in dem er auch selbst die Hauptrolle spielte, erhielt als zweiter Bollywood-Film überhaupt eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester ausländischer Film". Und gleich sein nächster Film "Dil Chahta Hai" ("Das Herz will") mit seiner tragisch-romantischen Story, die ganz ohne Action und Klamauk auskommt, wurde von Kritikern wie Fans als Beginn einer neuen Ära von Bollywood-Filmen gefeiert.
Doch anstatt die nächste Stufe des Superstar-Olymps zu erklimmen, verschwand Aamir Khan erst einmal von der Bildfläche. Ganze vier Jahre dauerte es, bis er mit "Mangal Pandey - The Rising" auf die Leinwand und damit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zurückkehrte. Dazwischen lagen vier Jahre voller persönlicher Probleme, unter anderem der Scheidung von seiner langjährigen Ehefrau und Jugendliebe Reena Dutta. Im Dezember 2005 heiratete er schließlich erneut, und zwar seine Freundin Kiran Rao, die als Regieassistentin bei den Dreharbeiten zu Lagaan mitgearbeitet hatte.
Aamir Khan wurde das Filmemachen quasi in die Wiege gelegt: Sein Vater Tahis Hussein ist ein bekannter Filmproduzent in Bollywood und dessen Bruder Nasir Hussein Regisseur. Kein Wunder also, dass Aamir sein Filmdebüt schon im zarten Alter von acht Jahren gab. Allerdings waren seine kurze Rollen in "Yadoon Ki Baaraat" im Jahr 1973 und in "Madhosh" im folgenden Jahr zunächst die einzigen schauspielerischen Gehversuche. Danach konzentrierte sich Aamir lieber auf seine Tenniskarriere und wurde State Champion in Maharahtra. Erst Mitte der 80er Jahre kehrte er auf die Leinwand zurück. Nach einer Rolle als Co-Star von Ashutosh Gowariker, dem späteren Regisseur von "Lagaan", in "Holi" (1984), übernahm Aamir 1988 in "Qayamat Se, Qayamat Tak" ("Vom Regen in die Traufe") erstmals eine Hauptrolle. Diese machte ihn über Nacht zum Star und absoluten Frauenliebling. Bis Mitte der 90er Jahre folgten weitere Filme, die sein Image als sicherer Kassenschlager festigten. 1996 erreichte seine Karriere dann neue Dimensionen: "Raja Hindustani" ("König von Indien"), die Geschichte eines einfachen Taxifahrers aus der indischen Provinz, der das Herz einer Millionärserbin aus Bombay erobert, wurde der erfolgreichste Film des Jahres. In gleich fünf Kategorien gewann er den ältesten und wichtigsten indischen Filmpreis, den "Filmfare Award". "Raja Hindustani" wurde als bester Film des Jahres ausgezeichnet und Aamir Khan als bester männlicher Hauptdarsteller. Obwohl Khan den begehrten Preis nach Nominierungen in der vorherigen Jahren zum ersten Mal erhielt, blieb der notorisch medienscheue Schauspieler seinen Prinzipien treu, und damit der Preisverleihung fern. Schon zu Beginn der 90er Jahre hatte er verkündet, in Zukunft an keiner Preisverleihung mehr teil zu nehmen, weil die Preise nicht nach Talent, sondern nach persönlichen Vorlieben der Juroren vergeben würden. Für die Oscarverleihung machte er dank der Nominierung für "Lagaan" freilich eine Ausnahme.
Aamir Khan gilt als Perfektionist unter Bollywoods männlichen Stars, der sich stets akribisch auf seine Rollen vorbereitet. Für die berühmte Trinkszene in "Raja Hindustani" soll der ansonsten völlig abstinent lebende Khan gleich mehrfach mit hochprozentigem Alkohol "trainiert" haben, um den Vollrausch des "Raja" überzeugender darstellen zu können. Khan hält auch an der Regel fest, sich im Gegensatz zu anderen Bollywoodstars wie den beiden anderen "Khans", Shah Rukh oder Salman, stets voll auf die Produktion nur eines einzigen Films zu konzentrieren, und nicht mehrere Filme parallel zu drehen.
Zur Zeit scheint Aamir Khan an seine großen Erfolge in den 90er Jahren anknüpfen zu können. Während sein mit viel Pressewirbel gestarteter Comeback-Film "Mangal Pandey - The Rising", der 2005 auf Englisch und auf Hindi in die Kinos kam, noch deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, war 2006 bisher das Jahr des sympathischen Schauspielers. "Rang de Basanti" ("Die Farbe des Patriotismus") handelt von einer Gruppe zynischer, politikverdrossener Studenten, die während der Dreharbeiten zu einem Film über eine Gruppe von Freiheitskämpfern ihr eigenes politisches Bewusstsein entwickeln und versuchen, den alltäglichen Ungerechtigkeiten Indiens etwas entgegenzusetzen. Der Film traf den Nerv des Publikums und ist bisher einer der erfolgreichsten Filme des Jahres. Nach "Lagaan" wurde er als zweiter Film mit Aamir Khan von der indischen Filmbehörde für die Oscar-Verleihung vorgeschlagen. Auch "Fanaa" ("Zerstörung") sorgte der im Sommer diesen Jahres für Schlagzeilen und volle Kinosäle. Das lag nicht zuletzt auch an Khans Co-Star Kajol ("Kabhi Khushi Kabhi Gham"), die nach fast fünfjähriger Babypause ihr Comeback in Bollywood gab.
Daneben sorgte Aamir Khan auch für Schlagzeilen, weil er öffentlich seine Unterstützung für die Protestbewegung gegen den Bau des Mammutstaudamms am Narmada-Fluss in Gujarat verkündete. Kritiker taten die Aktion als reinen Marketinggag ab, und rieten Khan, sich statt auf Politik lieber auf seine Schauspielerkarriere zu konzentrieren. Die hindu-nationalistische Partei BJP, die den Ministerpräsidenten in Gujarat stellt, verhinderte gar den Start von "Fanaa" im eigenen Bundesstaat.
Aamir Khans nächste Fimprojekte sind bereits in Arbeit und man darf also gespannt sein, was das neue Jahr für einen der eigensinnigsten Schauspieler Bollywoods bringen wird. |