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Interview mit Ranga Pae - Einheit durch Vielfalt
Wer von uns hat noch
nicht davon geträumt einmal um die ganze Welt zu reisen!?
Dank Kimo und seiner Frau Jodi Huybrechts, wird dieser
Traum, zumindest in musikalischer Hinsicht, endlich wahr!
Das Ehepaar aus Makawao auf Maui/Hawaii, gründete im Jahre
1995 “Ranga Pae“, was in der Sprache der neuseeländischen
Maoris „weltumspannend“ bedeutet.
Durch den Gebrauch vieler verschiedener Instrumente aus
aller Welt, vereinen die Beiden nicht nur Musik
unterschiedlichster Kulturen, sondern auch Traditionelles
mit Modernem, was der spürbar jazzige Einfluss in der
Musik, belegt.
Das erklärte Ziel der zwei Künstler, in deren
eigenen Stammbäumen sich Japaner, Holländer, Chinesen,
Franzosen und Indonesier wiederfinden, ist es das friedliche
Neben- einander und Miteinander verschiedner Kulturen und
ihrer Musik zu fördern.
Mit all der
Schönheit die in der Ruhe dieser Musik liegt, ihrer tiefen
Spiritualität und den indischen, hawaiianischen und
ostasiatischen Klängen, zeigt sie die ganze Pracht
indigener Musik und ist so weit mehr als bloße "World
Fusion".
Wer kann da noch einen Verlust des kulturellen Erbes der Völker
dieser Erde, in Kauf nehmen?
theInder.net hatte die Möglichkeit ein Interview mit Kimo
Huybrechts zu führen.
Wie würden Sie selbst ihren Musikstil
beschreiben?
Zeitgenössischer Pop und Jazz, gemischt mit indischer,
hawaiianischer, indonesischer und japanischer Musik.
Wann und was war für Sie
ausschlaggebend, sich dieser Art von Musik zu widmen und
nicht etwa dem Mainstream?
In meinem Heimatort gab es so einen kleinen Volksmusikladen,
in dem man Instrumente aus aller Welt finden konnte. Es kam
mir dort vor wie in einem Museum und ich verbrachte jeden
Tag nach der Schule viel Zeit in diesem Laden. So wurde mir
die ganze Breite und Vielfalt, die Musik zu bieten hat erst
richtig bewusst.
Später als ich dann aufs College ging, hab ich mich für
ein Auslandssemester in Nordindien/ Nepal entschieden. Dort
nahm ich Unterricht im klassischen Gesang.
Ich habe die Gesangsstunden geliebt und fing schließlich an
die Ragas die ich sang, auf der Sitar nach zu spielen.
Sie und ihre Frau haben beide in
"Kultureller Anthropologie mit Schwerpunkt ethnischer
Musik" ihr Studium abgeschlossen. Sicherlich gibt es
einige Leute die sich für ähnliche Dinge interessieren würden,
aber aus Angst keine Stelle zu finden, diesen Gedanken
wieder verwerfen. Haben sie denn nicht befürchtet sich
einer brotlosen Kunst zu widmen?
Gute Frage. Meine Frau hat ehrlich nach ihrem Studium nie
wieder direkt etwas mit diesem Bereich zu tun gehabt.
Dennoch hat ihr Wissen über Anthropologie bei ihrer elfjährigen
Arbeit mit japanischen Touristen geholfen. Ich selbst habe
zwei Sommer lang mit Archäologen des Nationalparks von
"Big Island" gearbeitet.
Wir waren schon öfters mal frustriert und haben uns gefragt
wofür wir das eigentlich studiert haben, immerhin fanden
wir nirgendwo Arbeit. Aber damals, vor 15 Jahren hätte ich
mir auch nie vorstellen können eines Tages auf Maui zu
leben, mein Hobby zum Beruf zu machen und den ganzen Tag
"World Fusion" zu spielen. Zumindest was unsere
Karriere als Musiker betrifft, so hat uns unser Studium sehr
geholfen. Ich finde jeder sollte "Kulturelle
Anthropologie" studieren oder wenigstens mal Unterricht
darin nehmen.
Wobei es euch nämlich auf jedenfall helfen wird, ist bei
eurer Sicht der Welt und das könnte ja sogar wenn ihr in
einem "normalen" Job arbeitet, euren Chef
beeindrucken, da man ja heute selbst in der Wirtschaft
global denken muss.
Mein Ratschlag: Folgt einfach eueren Herzen!
Haben Sie Vorbilder was ihre Musik betrifft?
Ravi Shankar, Carlos Santana, Wes Montgomery und Shujaat
Khan, er kam zu uns hier nach Maui und ich habe mich sofort
in seine Stimme und seine Art zu singen verliebt.
In ihrem Repertoire befinden sich
ja viele verschiedene Instrumente, unter anderem auch die
Nasenflöte, die sicherlich vielen Leuten unbekannt ist.
Können Sie uns etwas über ihren Ursprung erzählen?
Die Nasenflöte, auch bekannt als “ohe hano ihu”
(Bambusatem aus der Nase) stammt aus Hawaii. Wie der Name schon
sagt, spielt man nicht wie üblich mit dem Mund sondern mit
der Nase auf ihr.
Ursprünglich wurde sie benutzt um jemanden zu umwerben und
so brachte man auf ihr kleine Ständchen vor. Ihr Ton galt
von jeher als sehr rein, da die Nase „unverbrauchter“
ist als der Mund.
Welches von all den Instrumenten, fanden
Sie am schwersten zu erlernen?
Es läuft eigentlich bei jedem Instrument immer nach dem
selben Muster ab.
Er ist es sehr schwer darauf zu spielen, dann wird es immer
einfacher und am sobald es um die Feinheiten geht, wieder
total schwer. So ist es auch mit der Sitar und der
hawaiianischen „Slack key“ Gitarre gewesen. Man lernt
ehrlich gesagt nie aus und obwohl ich schon seit beinah 17
Jahren all diese Instrumente spiele und selbst lange Zeit
Musiklehrer war, gibt es noch genug musikalische Hindernisse
zu meistern.
Haben Sie denn ein Lieblingsinstrument ?
Ach, das hängt immer von meiner Laune ab. Für Momente der
Hingabe eignet sich die Sitar am besten, wenn ich
provozieren will, benutze ich die Nasenflöte und um richtig
abzugehen ist die „Slack key“ Gitarre, wohl die
Richtige!
Was ich aber unbedingt noch lernen will, ist auf der Kora
(afrikanische Trommel) zu spielen.
Wie kommt es überhaupt, dass Sie
so interessiert an der klassischen indischen Musik? Weder
Sie, noch ihre Frau, haben ja indische Wurzeln.
Ich bewundere einfach die Disziplin und die Hingabe die in
der indischen Klassik steckt.
Diese Musik ist bis zu jeder noch so kleinen Shruti, so
unglaublich fein. Das fasziniert mich! Sie fordert meine „verwestlichten“
Ohren dazu heraus, endlich ihre kleine, bekannte
"Box" zu verlassen um so etwas Reines und
Aufregendes genießen zu können.
Arbeitet ihr auch mit Künstlern aus anderen
Ländern zusammen?
Ja, auf unserem kommenden Album werden wir zum Beispiel
von einem Percussionisten aus Brasilien unterstützt. Sein
Gefühl für den Rhythmus und die Wahl der richtigen
Instrumente ist beeindruckend. Er braucht nur einen Teller
und ein Messer und kann damit wunderbare Musik machen.
Ich liebe es mich zurückzulehnen um solchen Leuten bei der
Arbeit zu zusehen und so von ihnen zu lernen.
Da Musik ja in allen Kulturen einen
wichtigen Platz einnimmt und ihr selbst mit eurer Musik so
viele verschieden Kulturen mischt, welche Rolle spielt für
euch die "eigene" Kultur?
Ich weiß was du meinst, dass ist eine sehr gute Frage!
Ich denke dass es am wichtigsten ist, sich erst mit der
eigenen Kultur zu befassen um dann langsam in eine neue
eintauchen zu können.
Wie ich es von den älteren Maoris in Neuseeland lernte:
Nicht das Ziel, die Reise ist entscheidend.
Egal ob Musik, Kultur oder das Leben an sich, es liegt alles
nur an der eigenen Einstellung.
Man
kann immer neue Dinge dazu lernen, dass macht das Leben doch
erst so spannend.
Wir
alle sollten die „kindliche“ Offenheit für Neues und
den Glauben an das Positive niemals aufgeben.
In ihrem Grundsatzprogramm sprechen Sie
sich für den Erhalt von einheimischen Musikarten und
Sprachen aus. Denken Sie nicht das Vielfalt auch abgrenzen
kann, so wäre dieses Interview nicht möglich, gäbe es
nicht die "Weltsprache" Englisch?
Hier in Hawaii wurden wir selbst Zeugen davon,
wie unsere Sprache aufgrund des Übergebrauchs von Englisch
quasi ausstarb. Erst jetzt, taucht Hawaiianisch offiziell
langsam wieder auf, wenn auch nur als Dialekt.
Wo es allerdings all die Zeit unbeschadet überleben konnte,
war in den Liedern und Tänzen.
Wie Stevie Wonder schon in Sir Duke sagte: “Musik ist
eine Welt für sich, mit einer Sprache die wir alle
verstehen, in der jeder die gleiche Möglichkeit hat zu
singen und mit den Händen zu klatschen.“
Vielfalt bedeutet Akzeptanz und Akzeptanz schützt uns vor
all unseren Ängsten gegenüber dem Fremden, dem
Unbekannten. Ich glaube, dass nur völlige Liebe diese Angst
beseitigen kann.
Sie sagen dass sie an die Zeit glauben, in
der Menschen aller Nationen, Stämme und Sprachen zueinander
finden und miteinander harmonieren.
Um ehrlich zu sein braucht man sich doch nur die aktuelle
Weltlage anschauen, um festzustellen das diese Vorstellung
nichts als reine Utopie ist und bleiben wird.
Wenn wir uns wirklich wünschen als Menschen und Bewohner
dieses Planeten, dass zu werden was wir wirklich sein könnten,
dann ist dieser utopische Traum schon mal ein guter Anfang.
Martin Luther King verfolgte dieses Ziel, obwohl er nur
"ein einzelner" Mensch war und ich bin fest davon
überzeugt dass alle Menschen tief in ihren Inneren auf den
Tag warten an dem wir alle miteinander in Frieden und
Respekt leben, egal ob sie es sich bewusst sind oder nicht.
Inwiefern denken Sie das Musik dabei
helfen kann?
Musik ist zwar auch ein ernorm wichtiges Werkzeug, aber sie
ist kein Mittel zum Zweck, sondern vielmehr ist sie der
Zweck!
Was bedeutet ihnen Religion und Gott und
inwiefern beeinflussen sie ihre Musik?
Es bedeutet alles! Religion bedeutet das es einen
Unterschied zwischen dem Weltlichem und dem Heiligen gibt.
Gott selbst ist beiden "Welten" zu spüren, nur
trennt unser Körper die eine von der anderen. Was ich damit
sagen will ist dass ich manchmal während ich gerade spiele
Gottes Liebe fühlen kann und meine Musik plötzlich zu
einer Art Gebet wird.
Auch kam es schon vor dass Leute aus dem Publikum mit Tränen
in den Augen zu mir kamen und mir erzählten dass sie
"die Liebe" in meiner Musik spüren konnten.
Solche Emotionen zeigen mir das Gott auch in meiner Musik
steckt und sie beeinflusst.
Können Sie uns etwas über ihr letztes
Album "Like Rain" erzählen ?
Auf “Like Rain” befinden sich fast nur
Eigenkompositionen, wofür wir ein Haufen unterschiedlicher
Instrumente aus Bali, Java, Hawaii, Indien und Japan
benutzen.
Obwohl es sich bei unserer ersten Platte ausschließlich um
Instrumentalmusik handelt, erzählt doch jedes Lied seine
eigene Geschichte oder es hat ein Leitmotiv das dann kurz in
einer Anmerkung erklärt ist.
Zum Beispiel geht es in "Moguru" um jemanden der
in einem Boot sitzt und sich danach seht ins Meer zu
springen. In einem anderen Lied, "Normadic Joy"
geht es um die Lust am Reisen und "Ame" handelt
von Sehnsuchtsgefühlen an einem regnerischen Herbsttag, an
dem die Dinge vom Regen alle weggespült werden.
Was unser kommendes Album, “Full Circle” betrifft, so
wird es ein paar Coverversionen beinhalten, wie z.B. "Purple
Haze” von Jimi Hendrix, dass wir auf der japanischen Koto,
dem Tabla und einer Akustikgitarre nachgespielt haben.
Es gibt aber natürlich auch noch genug eigene Lieder von
uns selbst, wie etwa eins das ich über unsere letzte Königin
hier auf Hawaii geschrieben habe. Zwei andere Stücke
beinhalten "natürliche" Klänge aus Maui, wie
rasselnde Zuckerrohre und das Plätschern von Wasser in
einer Höhle. Das Album wir voraussichtlich Ende Frühling
fertig sein!
Ihr tretet fünf mal die Woche im
"Ritz Carlton" auf Maui auf. Wird man euch in
Zukunft auch in Europa sehen können?
Na ja, mit dem Ritz sind wir eigentlich gut beschäftigt und
es ist außerdem einfach wunderbar, so viele verschiedene
Menschen von überall her bei uns auf Maui zu haben. Davor
sind wir auch schon durch Neuseeland, Australien, Kanada und
die USA getourt. In Europa waren wir allerdings noch
nicht, wir sind aber nicht abgeneigt auch dort mal zu
spielen.
Vielen Dank für dieses Interview, gibt es
noch etwas was Sie unseren Lesern zum Abschluß sagen möchten?
Ein großes DHANYAVAD
an all meine indischen Brüder und Schwestern in Deutschland
und ein "Big Aloha from Maui!"
Theinder.net verlost 3 handsignierte
Exemplare von Ranga Pae Debütalbum "Like Rain".
Beantwortet dazu einfach folgende Frage: Was bedeutet
"Ranga Pae" auf Deutsch? Richtige Antwort an mitmachen@theinder.net
schicken, Einsendeschluss ist der 10. Mai 2004. Euren
vollständigen Namen, Adresse, eMail nicht vergessen!
Weitere Informationen zu "Ranga Pae" findet ihr
auf www.rangapae.com,
wo ihr euch auch die verschiedenen Musikinstrumente anhören
könnt!
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